1974-89

Ökologie und Ökonomie


Plakat: Umweltschutz - Wir kämpfen um jeden Millimeter, 1980

Spielzeug: Gesellschaftsspiel um einen Giftmüllskandal, 1985

Alltagskultur: Streichholzbriefchen des Kombinats SERO, 1980er Jahre

Broschüre: Verheizte Lausitz: Der Braunkohlenbergbau und seine Probleme im ostelbischen Raum, 1990



Seit den 70er Jahren gerät das Streben nach Wirtschaftswachstum und Wohlstand in Konflikt mit Umweltschutzbelangen. Eine neue Weltanschauung artikuliert sich, die sich gegen die Idee des unbegrenzten Fortschritts und des unbegrenzten Wachstums wendet. Sie begreift den Menschen als Teil eines globalen Ökosystems, dessen Gefährdung zugleich auch die menschliche Existenz bedroht. In der Bundesrepublik entstehen zahlreiche Umweltinitiativen, die angesichts einer auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftspolitik eine Vernichtung der natürlichen Lebensgrundlagen fürchten. In der DDR hingegen wird der Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie von der Staatsführung ignoriert.

Der deutsche Begriff "Umweltschutz" als die wörtliche Übersetzung des englischen Begriffs "environment protection" kommt Ende der 60er Jahre auf, als in beiden deutschen Staaten die Umweltproblematik als neues Politikfeld entdeckt wird. Die Politik reagiert damit auf die fortschreitende Umweltbelastung, die mit dem hohen Industriewachstum verbunden ist. Der Aufbruch in der westdeutschen Umweltpolitik unter Bundeskanzler Willy Brandt kommt jedoch schon bald ins Stocken. Unter dem Eindruck der Ölkrise und der Weltwirtschaftskrise haben ökonomische Fragen in der Politik noch Vorrang vor denen des Umweltschutzes. Erst in den 80er Jahren wird der Stillstand in der westdeutschen Umweltpolitik überwunden, der Umweltschutz als wichtige öffentliche Aufgabe anerkannt.

Früher als in der Bundesrepublik erfolgt in der DDR der Aufbau differenzierter Umweltinstitutionen und eines relativ umfassenden Umweltrechts, doch wird das umweltpolitische Instrumentarium nicht entsprechend seinen Möglichkeiten eingesetzt und angewandt. Für die Staatsführung der DDR hat die ökonomische Entwicklung grundsätzlich Vorrang vor Fragen des Umweltschutzes. Vor allem die einseitige Ausrichtung auf die einheimische Braunkohle zeigt verheerende ökologische Auswirkungen. Der chronische Rohstoffmangel sorgt allerdings, verglichen mit der Bundesrepublik, für eine günstige Bilanz bei der Wiederverwertung von Industrie- und Hausmüll.

Bürgerinitiativen und Umweltverbände nehmen seit Ende der 70er Jahre zunehmend Einfluß auf die Gestaltung der westdeutschen Umweltpolitik. Auch in der DDR sammeln sich vor allem unter dem Dach der evangelischen Kirche Umweltgruppen, die sich mit der ökologischen Situation in der DDR befassen. Die DDR-Führung reagiert auf das umweltpolitische Engagement mit Repressalien gegen die Mitglieder der Ökobewegung. Informationen über die tatsächliche Umweltsituation werden zurückgehalten, seit 1982 gelten Umweltdaten quasi als Geheimsache.

(ahw)




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