1939-45

[Zeitschrift: "Feldzug gegen Polen" (Sonderdruck), 1939]

[Mütze: Schirmmütze der polnischen Kavallerie, 1939]

[Photo: Deutsche Soldaten an einem polnischen Schlagbaum, 1939]

[Gemälde: Fritz Herman Schröner: "Im Krieg zerstörte polnische Häuser", 1940]

[Broschüre: "Luftsieg über Polen", 1940]

[Photo: Nach einem deutschen Luftangriff auf Warschau, 1939]







Überfall auf Polen ("Fall Weiß")


Obwohl die polnische Staats- und Armeeführung von den deutschen Kriegsvorbereitungen und vom massiven Aufmarsch der Wehrmacht an der Grenze unterrichtet war, kam der tatsächliche Angriff in den frühen Morgenstunden des 1. September 1939 für sie überraschend. Um 4.45 Uhr eröffnete das Linienschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf polnische Befestigungen auf der Westerplatte vor der Freien Stadt Danzig. Noch am selben Tag erklärte die deutsche Führung den Anschluß Danzigs an das Deutsche Reich.

Die deutsche Bevölkerung nahm den Beginn der Kampfhandlungen mit gedrückter Stimmung auf. Der Begriff "Krieg" war vom NS-Regime ausdrücklich untersagt. Unermüdlich verkündete die NS-Propaganda den Angriff als verdiente "Strafaktion" gegen polnische Provokationen und Grenzverletzungen. Tatsächlich waren Zwischenfälle wie der vermeintlich von Polen durchgeführte Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz mit zwei Toten am 31. August gründlich vorbereitete Aktionen der Schutzstaffel (SS). Sie sollten den Einmarsch der Wehrmacht in Polen als berechtigte Verteidigungsmaßnahme begründen.

Die an Kopfstärke der polnischen Armee gleich starken deutschen Angreifer waren den Polen an Rüstungstechnik und Beweglichkeit weit überlegen. Vor allem das wirkungsvolle Zusammenspiel von Luftwaffe und Heer bestimmte in Polen sowie auch im weiteren Verlauf des Zweiten Weltkriegs die taktischen Konzeptionen des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW). Unter Ausnutzung ihrer überlegenen Motorisierung verstand es die Wehrmacht, einen Bewegungskrieg zu führen, in dem die Panzerwaffe erstmals in geschlossenen Verbänden raumgreifend operierte. Zu größeren Luftkämpfen mit der unterlegenen polnischen Luftwaffe kam es nur selten. Die Rüstungs- und Versorgungszentren sowie das Nachrichten- und rückwärtige Verbindungsnetz der Polen wurden durch die nach zwei Tagen errungene Lufthoheit erheblich zerstört.

Der Vorstoß des deutschen Heers verlief weitgehend nach Plan. Die aus Pommern sowie Ostpreußen vorstoßende 630.000 Mann starke Heeresgruppe Nord unter Generaloberst Fedor von Bock stellte am 3. September die erste Landverbindung zwischen beiden Gebieten her. In einem zweiten Angriffskeil griff die Heeresgruppe Süd unter Generaloberst Gerd von Rundstedt mit 886.000 Soldaten aus Schlesien und der Slowakei an. Unterstützt von zwei Luftflotten mit insgesamt 1.107 Maschinen stießen die 57 deutschen Divisionen in einer umfassenden Zangenbewegung konzentrisch Richtung Warschau vor.

Die polnische Heeresleitung hatte unter Marschall Eduard Rydz-Smigly (1886-1943) das Gros ihrer Streitkräfte strategisch ungünstig entlang der 1.900 km langen Grenze ohne natürliche Hindernisse oder Barrieren aufmarschieren lassen. Nach einer Woche waren alle polnischen Verteidigungslinien im Grenzgebiet durchbrochen und die Armeen zum Rückzug gezwungen.

Starke polnische Verbände wurden in der Kesselschlacht bei Radom noch westlich der Weichsel vernichtet. Unmittelbar nach der für die Polen noch verlustreicheren Kesselschlacht an der Bzura bereitete die deutsche 8. Armee den Angriff auf Warschau vor. Die von 120.000 Soldaten verteidigte Hauptstadt kapitulierte nach schweren Artillerie- und Luftangriffen mit erheblichen Verlusten unter der Zivilbevölkerung am 27. September bedingungslos. Mit Warschau und der am 28. September kapitulierenden Festung Modlin waren die letzten großen polnischen Widerstandszentren ausgeschaltet. Letzte versprengte Truppenteile ergaben sich am 6. Oktober bei Kock und Lublin.

Besiegelt worden war die polnische Niederlage bereits am 17. September mit dem Überfall von zwei Heeresgruppen der Roten Armee auf Ostpolen. Gemäß den Vereinbarungen im Hitler-Stalin-Pakt rückten die Sowjets nach Westen bis zur Linie Narew-Weichsel-San vor, um sich die bis 1920 an Polen verlorengegangenen Gebiete wieder einzuverleiben. Nach einer im deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag vom 28. September neu festgelegten Grenzziehung zog sich die Rote Armee hinter den Bug zurück. Mit der Teilung verlor Polen seine staatliche Existenz. Die Staatsführung war bereits am 17. September nach Rumänien geflohen, wo sie auf deutschen Druck interniert wurde. In Paris bildete General Wladyslaw Sikorski (1881-1943) die polnische Exilregierung.

Aus deutscher Sicht verlief der "Blitzkrieg" gegen Polen äußerst positiv. Die eigenen Verluste waren mit rund 10.600 Gefallenen, 30.000 Verwundeten sowie 3.400 Vermißten relativ gering. Die polnische Armee verlor im Kampf gegen die Wehrmacht und die Rote Armee zusammen 120.000 Soldaten, 917.000 mußten den Weg in die Kriegsgefangenschaft antreten.

Im Zuge der territorialen Neuordnung wurden Teile der deutsch besetzten Gebiete als Reichsgaue "Danzig-Westpreußen" und "Wartheland" in das Reich inkorporiert. Das als Generalgouvernement zusammengefaßte Restpolen hatte in den folgenden Jahren in verheerendem Ausmaß unter der Okkupation und der Ausplünderung des deutschen Besatzungsregimes unter Hans Frank zu leiden. Bereits unmittelbar nach Aufhebung der Militärverwaltung am 25. Oktober war das Gebiet für die Einsatzgruppen und ihren Terror gegen die polnische Bevölkerung freigegeben.

(as)

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