Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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GUSTAV ZIMMERMANN (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Gustav Zimmermann
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Im Sommer 1948 wird Gustav Zimmermann vom Württemberg-Badischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Hier ist er Mitglied des Hauptausschusses und des Geschäftsordnungsausschusses sowie Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion. In seinen im Rat nicht allzu häufigen inhaltlichen Beiträgen wendet sich Zimmermann vor allem Fragen aus dem eigenen vertrauten politischen Wirkungsbereich zu, wie der kommunalen Selbstverwaltung, dem Verbraucherschutz und den Befugnissen der Gewerkschaften. Er zählt zu den wenigen männlichen Ratsmitgliedern, die ausdrücklich das Schicksal unehelicher oder ohne Mutter aufwachsender Kinder thematisieren.
Geboren am 2. Dezember 1888 in Liedolsheim bei Karlsruhe, gestorben am 1. August 1949 in Karlsruhe, zunächst evangelisch, später Austritt aus der Kirche.

Nach dem Besuch der Volks- und Bürgerschule (1895 – 1903) absolviert Gustav Zimmermann in Mannheim eine Schlosserlehre, 1906 Gesellenprüfung, dann Seemann. 1907 – 1914 als Werkzeugschlosser tätig. Tritt 1907 dem Verband junger Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands (Junge Garden) und später der SPD bei. Seit 1914 Teilnahme am Ersten Weltkrieg, wird schwer verwundet. Im Hinblick auf die dauerhaften Folgen der Kriegsbeschädigung Umschulung für einen kaufmännisch-technischen Beruf. Seit 1919 Redakteur und zuletzt Verlagsdirektor bei der „Mannheimer Volksstimme“. 1919 – 1933 Mitglied des Landesvorstands der badischen SPD, 1923 – 1924 SPD-Landesvorsitzender. Auf kommunalpolitischer Ebene in Mannheim von 1919 bis 1923 Stadtverordneter bzw. danach bis 1933 Stadtrat, zugleich seit 1923 SPD-Fraktionsvorsitzender. Ab 1927 Vorsitzender des Kommunalpolitischen Ausschusses der badischen SPD und Mitglied des Kommunalpolitischen Reichsausschusses seiner Partei. Betätigt sich seit 1916 auf unterschiedlichen Ebenen als Verbandspolitiker im Konsumgenossenschaftswesen.

Zwischen 1933 und 1936 arbeitslos. Dabei im Jahre 1933 kurzfristig in „Schutzhaft“. Eine dreimonatige Gefängnisstrafe wegen Herausgabe einer illegalen Zeitung wird im Berufungsverfahren aufgehoben. 1936 – 1937 Geschäftsführer einer örtlichen Papierwarenfabrik, von 1937 – 1945 Vertreter in- und ausländischer Firmen.

Unmittelbar nach Kriegsende betreibt er in Mannheim als überzeugter Sozialdemokrat die Wiedergründung der SPD. Neben kommunalen Parteifunktionen Ende 1945 Übernahme des Stellvertretenden Vorsitzes im SPD-Landesvorstand Württemberg-Baden. Seit Frühsommer 1945 in verschiedenen leitenden Funktionen in der kommunalen und regionalen Verwaltung: u.a. Dezernent für Wiederaufbau und Stellvertretender Oberbürgermeister der Stadt, ab September 1945 Landesdirektor des Innern und Stellvertretender Präsident des Landesbezirks (Nord-)Baden in Karlsruhe. Anfang 1946 in die Vorläufige Volksvertretung für Württemberg-Baden berufen. Im Juni 1946 Wahl in die entsprechende Verfassunggebende Landesversammlung. 1946 – 1949 Mitglied des Württemberg-Badischen Landtags. In beiden gewählten Parlamenten Erster Vizepräsident und Stellvertretender Vorsitzender im Ältestenrat.

Nachlass: Nicht vorhanden.