Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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LUDWIG BERGSTRÄSSER (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Ludwig Bergsträsser
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Im Sommer 1948 wird Ludwig Bergsträsser vom Hessischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Er gehört dem Geschäftsordnungsausschuss und dem Ausschuss für Grundsatzfragen an. Bei der Beratung der Grundrechte dient ihm die Paulskirchenverfassung (1848/49) als Leitbild. Dabei orientiert er sich am Katalog klassisch liberaler Grundrechte. Mit Erfolg setzt sich Bergsträsser für die Farben Schwarz-Rot-Gold bei der Flaggengestaltung ein. Sein Vorschlag „Deutsche Republik“ stößt auf Widerstände stärker föderalistisch gesinnter Kreise, die den Namen „Bundesrepublik Deutschland“ bevorzugen.
Geboren am 23. Februar 1883 in Altkirch (Elsass), gestorben am 23. März 1960 in Darmstadt, evangelisch.

Ludwig Bergsträsser studiert seit 1902 Geschichte. 1906 Promotion in Heidelberg. 1910 Habilitation in Greifswald, danach Privatdozent. Seit 1916 außerplanmäßiger Professor in Greifswald. Wissenschaftliche Schwerpunkte: Ära der Paulskirche und Parteiengeschichte. Während des Studiums Mitglied im Verein Deutscher Studenten (VdSt). 1906 Gründungsmitglied des Nationalvereins für das liberale Deutschland in München. Seit 1908 Redaktion der VsSt-Verbandszeitschrift „Akademische Blätter“ in Leipzig. Während des Ersten Weltkriegs nicht felddiensttauglich. Tritt 1919 der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei. Seit 1920 Archivrat am Reichsarchiv in Potsdam. Grundlegender Wandel seiner geschichtlichen Wertungen: An die Stelle des bisher positiven Bilds des Bismarck-Reichs tritt die kritische Bewertung dieser Geschichtsepoche und eine neue, positive Sicht der Rolle der SPD. 1924 – 1928 Mitglied des Reichstags, hier maßgeblich am Untersuchungsausschuss über die Ursachen des Weltkriegs beteiligt. Regelmäßige Veröffentlichungen im „Demokratischen Zeitungs-Dienst“. 1928 – 1933 Tätigkeit in der Außenstelle des Reichsarchivs in Frankfurt am Main, um eine Geschichte der Frankfurter Nationalversammlung (1848/49) vorzubereiten. Tritt nach der Umbildung der DDP zur Deutschen Staatspartei Anfang der 1930er Jahre zur SPD über.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ in den Ruhestand versetzt. Verlust seines Hochschullehrerstatus. Freier Publizist in Darmstadt. Hält vielfältige Kontakte zu Widerstandskreisen, unter anderem zu Wilhelm Leuschner. Verfasser einer Reihe von Denkschriften zur künftigen politischen Ordnung.

Seit 1945 Präsident des rechtsrheinischen Teils des vormaligen Volksstaats Hessen. Nach der Gründung des Landes (Groß-)Hessen Ernennung zum Regierungspräsidenten von Darmstadt. 1946 Mitglied der Verfassungberatenden Landesversammlung, hier Vorsitzender des Verfassungsausschusses. 1946 – 1949 Abgeordneter des Hessischen Landtags. 1949 – 1953 Mitglied des Deutschen Bundestags. Ab 1950 Honorarprofessor an der Universität Bonn.

Nachlass: Universitätsbibliothek Marburg; Hessisches Staatsarchiv, Darmstadt.