Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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PAUL BINDER (CDU)
im Parlamentarischen Rat
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Paul Binder
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Im Sommer 1948 wird Paul Binder vom Landtag Württemberg-Hohenzollerns in den Parlamentarischen Rat entsandt. Hier übernimmt Binder den Vorsitz im Ausschuss für Finanzfragen und gehört dem Ausschuss für das Besatzungsstatut an. Gelegentlich nimmt er auch an Sitzungen des Fünferausschusses und des Siebenerausschusses teil. Als Vorsitzender des Ausschusses für Finanzfragen steht Binder allerdings im Schatten von Hermann Höpker Aschoff (FDP), der als langjähriger preußischer Finanzminister den gesamten Bereich des Finanz- und Haushaltswesens beherrscht. Binder gilt in erster Linie als Währungs- und Konjunkturpolitiker. Sein Verhältnis zu den Besatzungsmächten gestaltet sich nicht einfach. Nach einer Weigerung, sich an einem Gespräch mit westalliierten Finanzexperten am 10. März 1949 zu beteiligen, verliert er innerhalb seiner Fraktion an Einfluss. An seine Stelle tritt Theophil Heinrich Kaufmann (CDU), der in der letzten Sitzung am 7. April 1949 den Vorsitz im Ausschuss für Finanzfragen übernimmt.
Geboren am 29. Juli 1902 in Stuttgart, gestorben am 25. März 1981 in Stuttgart, evangelisch.

Paul Binder studiert von 1922 – 1925 Nationalökonomie in Tübingen und Rostock. 1925 Promotion in Tübingen, anschließend Volontariate in Dijon, London und Berlin. 1929 – 1930 bei der Deutschen Bau- und Bodenbank in Berlin tätig. 1930 – 1937 Wirtschaftsprüfer und Prokurist (letzteres seit 1934) bei der Revision Treuhand AG in Berlin.

Hier nach 1933 Spezialisierung auf Fragen der „Arisierung“ jüdischen Vermögens. Ab 1937 in der Zentrale der Dresdner Bank in Berlin als stellvertretender Direktor mit der Leitung des von ihm aufgebauten Bereichs „Arisierung“ betraut. Seit 1941 in Berlin selbständiger Wirtschaftsprüfer, unter anderem im Rahmen der Verwertung liquidierten osteuropäischen Vermögens tätig. Gutachten für Ludwig Erhards Nürnberger Institut zu Fragen der Währungssanierung und des Lastenausgleichs für die Zeit nach dem Krieg. Gelegentliche Kontakte zu Persönlichkeiten des Widerstands.

Seit Herbst 1945 Landesdirektor für Finanzen bzw. seit Ende 1946 Staatssekretär für Finanzen von Württemberg-Hohenzollern. Seit Ende 1946 Stellvertretender Präsident des Staatssekretariats. Mai 1947 Aufgabe beider Funktionen auf Drängen der Franzosen, danach selbständiger Wirtschaftsprüfer in Tübingen und Stuttgart. Seit 1946 Mitglied der CDU. 1946 – 1947 Mitglied der Beratenden Landesversammlung und 1947 – 1952 des Landtags von Württemberg-Hohenzollern, hier Vorsitzender des Finanzausschusses. 1952 – 1957 CDU-Kreisvorsitzender in Stuttgart. 1953 – 1960 Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg. An zahlreichen wirtschaftspolitischen Ausschüssen, Gutachtergremien und Aufsichtsräten maßgeblich beteiligt.

Nachlass: Archiv für Christlich-Demokratische Politik, Sankt Augustin.