Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ADOLF EHLERS (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Adolf Ehlers
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Im Sommer 1948 wird Adolf Ehlers als einziger Vertreter von der Bremischen Bürgerschaft in den Parlamentarischen Rat entsandt und gehört dem Ausschuss für Zuständigkeitsabgrenzung an. Er tritt vor allem mit spezifischen Anliegen Bremens hervor. Dazu zählen u.a. die Sicherung einer landeseigenen Gesetzgebungszuständigkeit für die Häfen und die Befreiung Bremens von der Verpflichtung, in den öffentlichen Schulen grundsätzlich Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach anzubieten (sog. „Bremer Klausel“).
Geboren am 21. Februar 1898 in Bremen, gestorben am 20. Mai 1978 in Bremen.

Adolf Ehlers wächst in einer kinderreichen Arbeiterfamilie in Bremen auf. 1912 – 1915 Lehre als Handlungsgehilfe bei einer Schiffsausrüstungsfirma, danach zunächst als kaufmännischer Angestellter in der Herrenkonfektionsbranche tätig. 1916 – 1918 Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, mehrmals verwundet. Nach Ende des Kriegs zunächst arbeitslos, seit 1919 in einem Bremer Schiffs- und Maschinenbauunternehmen (Deschimag) tätig, zunächst als ungelernter Arbeiter, nach Umschulung als Schweißer und Brenner. Eintritt in den Metallarbeiterverband und in den Kommunistischen Jugendverband. Zahlreiche örtliche und regionale Partei- und Verbandsfunktionen, u.a. 1921 – 1923 Politischer Leiter des Kommunistischen Jugendverbands Bezirk Nordwest und als Erster Vorsitzender des Betriebsrats der Deschimag. 1923 – 1927 Mitglied der Bremischen Bürgerschaft. Im Herbst 1924 Ausschluss aus der KPD und deren Bürgerschaftsfraktion als sogenannter „Rechtsabweichler“. Anfang 1926 Wiederaufnahme in die Partei und Fraktion. Zeitweise Redakteur bei der Bremer Arbeiter-Zeitung. Seit 1926 für die Rote Hilfe tätig. 1927 – 1930 in der Propaganda-Abteilung beim Zentralvorstand der Roten Hilfe in Berlin. 1930 erneuter Ausschluss aus der KPD und Eintritt in die Kommunistische Parteiopposition (KPO). Frühjahr 1932 Übertritt in die Sozialistische Arbeiterpartei (SAP), einer Linksabspaltung der SPD. Ab 1931 arbeitslos.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ Leiter der illegalen Bremer SAP. Zahlreiche Kontakte zu anderen linken Untergrundorganisationen in Deutschland und zu deutschen Emigrantenkreisen im Ausland. Ab 1938 erneute Beschäftigung bei der Deschimag.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wieder für die KPD aktiv. 1945 Leiter des Arbeitsamts Bremen. August 1945 – 1948 Senator für Wohlfahrt, ab Herbst 1946 auch für Gesundheit. Mai 1946 Austritt aus der KPD, Eintritt in die SPD. 1947 an den Vorarbeiten zur Verfassung der Freien Hansestadt Bremen beteiligt. 1948 – 1963 Innensenator. 1956 – 1960 Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Innenminister der Länder. Ab 1959 Zweiter Bürgermeister und Stellvertreter des Bremer Senatspräsidenten. 1963 Rückzug aus der Politik aus gesundheitlichen Gründen.

Nachlass: Staatsarchiv, Bremen.