Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ALBERT FINCK (CDU)
im Parlamentarischen Rat
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Albert Finck
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Deutsches Rundfunkarchiv
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Ohne Mitglied des Landtags von Rheinland-Pfalz zu sein, wird Albert Finck im Sommer 1948 von diesem in den Parlamentarischen Rat gewählt. Dort ist er Mitglied des Ausschusses für Organisation des Bundes sowie Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege und nach dessen Teilung des Ausschusses für Organisation des Bundes. Finck ist Vertreter des naturrechtlichen und föderalistischen Denkens, das für viele katholisch geprägte Politiker des südwestdeutschen Raums kennzeichnend ist. Er tritt für das Bundesratsmodell und eine Landesfinanzverwaltung ein. Gegen Ende der Bonner Beratungen trägt er durch persönliche informelle Kontakte zu Theodor Heuss (FDP) wesentlich mit zur Kompromissbildung hinsichtlich der kulturpolitischen Artikel des Grundgesetzes bei.
Geboren am 15. März 1895 in Herxheim bei Landau, gestorben am 3. August 1956 in Bad Wörrishofen, römisch-katholisch.

Albert Finck wächst als Sohn eines Polizeibeamten in einem katholisch geprägten ländlichen Milieu auf. 1914 Abitur in Speyer, anschließend Studium der Philosophie in München, unterbrochen durch Militärdienst und Kriegseinsatz von Mai 1915 – November 1918. Fortsetzung des Studiums in München, 1920 Abschluss durch Promotion mit einer Arbeit zur natürlichen Begründung des Rechts bei Thomas von Aquin und den Neuscholastikern Gabriel Vasquez und Franz Suarez. Nach kurzer beruflicher Tätigkeit als Parteisekretär der Zentrumspartei im Kreis Kempen am Niederrhein gründet Albert Finck 1922 zusammen mit seinem Bruder Johannes, der inzwischen den Priesterberuf ausübt, das Zentrums-Presseorgan „Neue Pfälzische Landeszeitung“ in Ludwigshafen, zunächst Redakteur, später Chefredakteur.

Als Anhänger Heinrich Brünings verurteilt Albert Finck scharf Franz von Papens Annäherung an Hitler. Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ verliert Finck neben den politischen auch seine beruflichen Grundlagen. Es folgen zeitweise Arbeitslosigkeit und Schutzhaft, Aushilfstätigkeit als Privatlehrer und Tätigkeit als Versicherungsvertreter. 1942 erhält er eine Anstellung als Aushilfslehrer am Humanistischen Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße für die Fächer Deutsch, Griechisch, Latein, Geografie und Geschichte. Zusammen mit seinem Bruder Johannes hält er Kontakte zu zahlreichen politischen Freunden aus der einstigen Zentrumspartei, aber auch zu protestantischen Kreisen, die dem nationalsozialistischen Regime kritisch gegenüber stehen. Hieraus entwickelt sich später einer der Hauptgründungskerne der überkonfessionellen Christlich-Demokratischen Partei in Rheinhessen und der Pfalz.

Ende März 1945 erste Vorbereitungen zur Gründung einer überkonfessionellen christlichen Partei. So wie bereits nach 1918 richten sich die Finck-Brüder auch nach 1945 gegen separatistische und gegen konkurrierende extrem föderalistische, katholisch-konservative Tendenzen. 1946 – 1951 Studienrat am Gymnasium Neustadt. Während des Wahlkampfs zum ersten Deutschen Bundestag im Jahre 1949 erregt Finck – ohne selbst zu kandidieren – überregionale Aufmerksamkeit. Am Ende der von ihm geleiteten Veranstaltungen lässt er jeweils die dritte Strophe des Deutschlandlieds anstimmen. Damals eine Provokation in den Augen der französischen Beatzungsmacht. 1951 – 1956 Mitglied des Rheinland-Pfälzischen Landtags.

Nachlass: Bestand zu seiner Tätigkeit als Kultusminister im Landeshauptarchiv, Koblenz.
2.3.1949
Diskussion
Helene Wessel (Zentrumspartei), Georg August Zinn (SPD), Thomas Dehler (FDP ) und Albert Finck (CDU):
Zu Fragen des Elternrechts und Schulwahl
(17´49)