Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ANDREAS GAYK (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Andreas Gayk
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Angesichts seiner kommunalpolitischen Aufgaben beteiligt sich Andreas Gayk kaum aktiv an den Bonner Verfassungsarbeiten. Trotz seiner Zustimmung zum Grundgesetz weist dieses für ihn zu „bürgerliche Grundtendenzen“ auf. In der Folgezeit äußert er häufig erhebliche Vorbehalte.
Geboren am 11. Oktober 1893 in Gaarden, gestorben am 1. Oktober 1954 in Kiel.

Andreas Gayk wächst als Sohn eines Tischlers und Werftarbeiters in einem sozialdemokratisch geprägten Milieu auf. 1908 – 1911 kaufmännische Lehre beim Kieler Allgemeinen Konsumverein. 1912 – 1914 Tätigkeit als Angestellter bei der Genossenschaftsdruckerei in Lüdenscheid. Erste journalistische Erfahrungen durch freie Mitarbeit für das dort herausgegebene sozialdemokratische Presseorgan „Volksstimme“. Seit 1912 Mitglied der SPD. 1914 – 1918 Kriegsteilnehmer im Ersten Weltkrieg. 1918 Wahl in den Soldatenrat seines Regiments. Gayk organisiert die Rückführung dieser Einheit in die Heimat. 1919 – 1933 Journalist bei der sozialdemokratischen „Schleswig-Holsteinischen Volkszeitung“. Innerhalb seiner Partei speziell mit Kinder- und Jugendpolitik befasst („Kinderfreundebewegung“), als Erziehungsideal vom Bild einer neuen aktivistischen, solidarisch agierenden sozialistischen Jugendelite ausgehend. Initiator von Kinder- und Jugendferienlagern für Arbeiterkinder im Sinne einer modellhaft verstandenen Solidargemeinschaft einer „Roten Kinderrepublik“. Er ist gegen die durch die Reichsregierung von Papen im Sommer 1932 erfolgte Absetzung der geschäftsführenden preußischen Regierung und die Unterstellung des Landes unter einen Reichskommissar („Preußenschlag“). Er ruft vergeblich zum bewaffneten Widerstand auf.

Nach der Regierungsübernahme der Nationalsozialisten flieht Gayk im Herbst 1933 von Kiel nach Berlin und lebt hier teilweise im Untergrund. Illegale Herausgabe des auf oppositionelle Kreise ausgerichteten Berliner Wochenblatts „Blick in die Zeit“. Tätigkeit als pharmazeutischer Vertreter. Im Sommer 1943 zur Polizeireserve Spandau eingezogen. Vor der Einnahme Berlins durch die sowjetischen Truppen Rückkehr nach Schleswig-Holstein.

Im Sommer 1945 Wiederaufnahme der politischen Betätigung für die Sozialdemokraten in Kiel. Dort Anfang Dezember 1945 von den Briten zum Ratsherrn, im Januar 1946 zum Stadtrat und im Februar 1946 zum Bürgermeister ernannt. Nach den ersten Kommunalwahlen 1946 – 1954 Oberbürgermeister in Kiel. Mit seinem Namen verbinden sich kommunalpolitisch vor allem der Wiederaufbau und die wirtschaftliche Wiederbelebung der im Kriege weitgehend zerstörten Stadt. 1946 – 1954 Mitglied des Schleswig-Holsteinischen Landtags. 1947 – 1950 als Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. 1946 – 1947 Mitglied des Verfassungsausschusses. Ein Verfechter der Ideen eines demokratischen Sozialismus. Befürworter einer tendenziellen Anlehnung an das Modell des britischen Mehrheitswahlrechts. Obwohl ihn der SPD-Vorsitzende Kurt Schumacher nach der Gründung der Bundesrepublik für die Übernahme bundespolitischer Aufgaben vorsieht, findet Gayk dennoch seinen Tätigkeitsschwerpunkt in der Kommunalpolitik.

Nachlass: Nachlasssplitter im Stadtarchiv Kiel.