Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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JOSEF SCHRAGE (CDU)
im Parlamentarischen Rat
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Josef Schrage
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Im Sommer 1948 wird Josef Schrage vom Nordrhein-Westfälischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt und gehört als Mitglied dem Ausschuss für Grundsatzfragen und dem Ausschuss für Wahlrechtsfragen an. Er vertritt die Region des Sauerlands und repräsentiert den Arbeitnehmerflügel der CDU. Regelmäßig nimmt er an den Ausschusssitzungen teil, ergreift aber nur selten das Wort. Er zählt zu den Vertretern kirchlicher Belange und ist rigoroser Anhänger eines einfachen Mehrheitswahlrechts. Als sich im Parlamentarischen Rat ein mehrheitsfähiger Kompromiss auf der Grundlage eines personalisierten Verhältniswahlsystems abzeichnet, lässt er sich von seiner Fraktion von der Mitgliedschaft im Ausschuss für Wahlrechtsfragen entbinden. Obwohl er vor allem kulturpolitisch bestimmte Vorbehalte hegt, gibt er dem Grundgesetz bei der Verabschiedung am 8. Mai 1949 seine Zustimmung. In der nachfolgenden Debatte im Nordrhein-Westfälischen Landtag am 20. Mai 1949 verteidigt er das Ergebnis der Beratungen als die äußerste erreichbare Lösung: Wenngleich auch ihm die christlichen Werte nicht hinreichend berücksichtigt erschienen, habe man in der „schicksalhaften Lage“, in welcher man sich befinde, den realen Mehrheitsverhältnissen Rechnung tragen müssen.
Geboren am 6. Mai 1881 in Olpe, gestorben am 27. November 1953 in Olpe, römisch-katholisch.

Josef Schrage entstammt einer alteingesessenen, bodenständigen Handwerker- und Arbeiterfamilie mit seit Generationen gewachsenen Bindungen an das regionale katholische Milieu. Zunächst Metallarbeiter, Weiterqualifizierung mit Hilfe des Volksvereins für das Katholische Deutschland. Ab 1917 hauptamtlicher Sekretär beim Christlichen Metallarbeiterverband, ab 1919 Leiter der Kreisgeschäftsstelle Olpe. Tritt der Zentrumspartei bei und übernimmt seit 1919 zahlreiche kommunalpolitische Ämter: u.a. Stadtverordneter in Olpe und Vorsitzender der Zentrumsfraktion, Mitglied im Kreistag und im Bezirksausschuss der Regierung Arnsberg. 1921 – 1933 im Westfälischen Provinziallandtag. 1928 – 1933 Leiter des Arbeitsamts Olpe.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ Entlassung und vorübergehende Arbeitslosigkeit. Als Vater einer kinderreichen Familie findet er schließlich eine Erwerbstätigkeit im Verlagsunternehmen seines vormaligen Parteifreunds Lambert Lensing (CDU). Politisch hält er weiter enge Kontakte zu einstigen Gesinnungsgefährten.

1945 – 1946 hauptamtlicher Bürgermeister von Olpe, 1946 – 1953 ehrenamtlicher Landrat. Im Kreisgebiet Gründungsmitglied der CDP (Vorläuferin der CDU) und Übernahme des Vorsitzes, maßgeblich an der Gründung des CDU-Landesverbands Westfalen beteiligt, hier im Geschäftsführenden Vorstand. 1946 – 1949 Vorsitzender des Vorläufigen Provinzialausschusses. 1946 – 1953 Abgeordneter des Nordrhein-Westfälischen Landtags, 1947 – 1949 als Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und 1949 – 1950 Nachfolger Konrad Adenauers (CDU) als Vorsitzender der CDU-Fraktion. Einer der Hauptinitiatoren der Errichtung der Landschaftsverbände, eröffnet als Alterspräsident im November 1953 die erste Landschaftsversammlung von Westfalen-Lippe.

Nachlass: Hauptstaatsarchiv, Düsseldorf; Nachlasssplitter im Archiv für Christlich-Demokratische Politik, St. Augustin, und im Stadtarchiv Olpe.