Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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JOSEF SEIFRIED (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Josef Seifried
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Josef Seifried wird im Sommer 1948 vom Bayerischen Landtag als einer von vier SPD-Vertretern in den Parlamentarischen Rat gewählt und ist dort Mitglied des Hauptausschusses. Allerdings kann er wegen eines Schlaganfalls sein Mandat nur bis Mitte Oktober 1948 wahrnehmen. Sein Nachfolger wird Albert Roßhaupter (SPD). Da der Hauptausschuss seine eigentlichen Beratungen erst nach Seifrieds Mandatsniederlegung im November 1948 beginnt, tritt er nur wenig in Erscheinung. Er spricht sich in seiner Fraktion für eine Bundesratslösung aus, obwohl deren Mehrheit eine Senatslösung bevorzugt.
Geboren am 9. Mai 1892 in München, gestorben am 8. Juli 1962 in München, altkatholisch.

Nach dem Besuch der Mittelschule und einer kaufmännischen Lehre ist Josef Seifried bis 1919 in verschiedenen Sparten des Zeitungswesens in Berlin und München tätig, zuletzt in der Expedition des sozialdemokratischen bayerischen Zentralorgans „Münchner Post“ und als Werbefachmann in der Anzeigenabteilung der „Münchner Neuesten Nachrichten“. Ab 1908 Mitglied der freigewerkschaftlichen Bewegung der Angestellten, ab 1912 der SPD. Nach dem Ersten Weltkrieg für kurze Zeit Leiter des städtischen Stellennachweises für Kaufleute beim Arbeitsamt München. Von 1919 an hauptamtlicher Geschäftsführer der Münchner Ortsgruppe des Zentralverbands der Angestellten, 1925 – 1933 Gauleiter des Verbands für Südbayern. Neben zahlreichen anderen Ehrenämtern 1928 – 1933 ehrenamtlicher Vorsitzender des Allgemeinen freien Angestelltenbunds. 1928 – 1933 Mitglied des Bayerischen Landtags.

Bereits vor 1933 heftige Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten. Wird nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ zeitweilig inhaftiert, gegen Kriegsende trotz Körperbehinderung zu Schwerstarbeit zwangsverpflichtet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich am Wiederaufbau der SPD und der Gewerkschaften in München und auf Landesebene beteiligt. Juni – November 1945 Stadtrat in München. 1945 – 1947 bayerischer Innenminister. 1946 – 1950 Mitglied des Bayerischen Landtags. Aus gesundheitlichen Gründen sukzessiver Rückzug von allen öffentlichen Ämtern. Widmet sich seither mit seinem Sohn der gemeinsam gegründeten Anzeigenwerbeagentur.

Nachlass: Nicht bekannt.
Bildrechte bei Fritz Witzig Photoatelier, München.