Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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OTTO SUHR (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Otto Suhr
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Wie alle Berliner Vertreter nimmt Otto Suhr wegen des Sonderstatus der Stadt an den Sitzungen des Ausschusses für Grundsatzfragen und des Ausschusses für Finanzfragen nur beratend teil. Er gehört zu den wenigen Anwesenden, die bereits zuvor am Verfassungskonvent von Herrenchiemsee teilgenommen haben. Er kann dem Vorschlag des Ältestenrats nicht nachkommen, bei den Eingangsberatungen im Plenum am 8./9. September 1948 so wie die anderen im Rat vertretenen Konventsteilnehmer als Berichterstatter aufzutreten. Er muss wegen der Berlin-Blockade absagen. Im Unterschied zu Herrenchiemsee tritt Suhr im Parlamentarischen Rat in inhaltlichen Fragen kaum in Erscheinung, da er nur selten anwesend sein kann. Er nutzt jedoch zusammen mit den anderen Berlinern jede Möglichkeit, den Anspruch auf Teilnahme zu dokumentieren.
Geboren am 17. August 1894 in Oldenburg, gestorben am 30. August 1957 in Berlin, evangelisch-lutherisch.

Otto Suhr nimmt von 1914 – 1918 am Ersten Weltkrieg teil. Danach Fortsetzung des Studiums der Volkswirtschaft, Geschichte und Zeitungswissenschaft. 1923 Promotion in Leipzig. 1918 Eintritt in die SPD und in den Sozialistischen Deutschen Studentenbund. 1922 – 1925 hauptamtlicher Sekretär beim Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund in Kassel. 1925 – 1933 Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung des Allgemeinen freien Angestelltenbunds in Berlin. 1926 – 1933 tätig an der Berliner Hochschule für Politik.

Nach 1933 vor allem im Hinblick auf seine jüdische Ehepartnerin vielfältigen Drangsalierungen ausgesetzt. Publizistisch tätig für den Wirtschaftsteil der "Frankfurter Zeitung" (bis 1943). 1944 zur Organisation Todt kriegsverpflichtet. Hält Kontakte zu verschiedenen oppositionellen Kreisen.

Nach Kriegsende in der Wirtschaftsverwaltung der sowjetischen Besatzungszone tätig, u.a. als Hauptabteilungsleiter der Deutschen Zentralverwaltung für Industrie. Aktiv am Wiederaufbau von SPD und Gewerkschaften beteiligt, erster Generalsekretär der SPD Großberlin. Nach anfänglichen Sympathien für ein Zusammengehen von SPD und KPD Gegner einer Zwangsvereinigung und zunehmende Distanz gegenüber der Politik der Sowjetunion. 1946 – 1955 Stadtverordnetenvorsteher von Groß-Berlin bzw. später Präsident des faktisch auf Berlin (West) begrenzten Abgeordnetenhauses. August 1948 Teilnehmer am Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee. 1949 – 1952 als Berliner Vertreter im Deutschen Bundestag. Nähert sich zunehmend der Politik der Westbindung an, die ihm für die Lebensfähigkeit von Berlin (West) notwendig erscheint. 1949 – 1955 Direktor der Hochschule für Politik, die 1958/59 in die Freie Universität eingegliedert wird und den Namen Otto-Suhr-Institut erhält. 1953 zum Honorarprofessor an der Freien Universität ernannt. 1955 – 1957 Regierender Bürgermeister von Berlin.

Nachlass: Landesarchiv, Berlin.